Soll ich Dir mal was sagen
Donnerstag, 21. Juni 2001Michi
Denn irgendwann hat sich der Trotz gemeldet. Und der Trotz hat gesagt: Warum muss ich eigentlich immer der Arsch sein, der sich meldet? Ich habe mich immer gemeldet, ich hatte immer die Tübinger Nummer auf der Telefonrechnung. Und es hat mir nichts ausgemacht. Doch, stimmt nicht. Es hat mir was ausgemacht. Aber ich habe mir irgendwann gesagt: Wenn sie sich nicht meldet, wird sie schon ihre Gründe haben.
Rückblende: Das letzte Treffen mit ihr. Ich habe mich angestrengt. Ich wollte Klarheit, ich wollte sie zur Rede stellen. Aber was wollte ich eigentlich hören? Dass sie mich doch liebt, weil sie das jetzt erst gemerkt hat. Habe ich das wirklich erwartet? Konnte ich das erwarten? Denn irgendwie habe ich es schon vorher geahnt: ich wollte die letzte Gewissheit haben. Und die habe ich bekommen, klar und kalt: Sie hat einfach nichts gesagt. Nur leicht den Kopf geschüttelt, als ich mal das Thema, das Thema angesprochen habe.
Ganz leicht mit dem Kopf geschüttelt, etwas nachsichtig, so wie mit Kindern, wenn man sie ermahnen möchte: Erzähl doch keinen Quatsch, Kleiner. Dafür bist du noch viel zu klein, Kleiner. Und dann habe ich nichts mehr gesagt, und habe nur noch gewartet, und gewartet, dass sie noch was sagt.
Aber es war Stille im Raum, so eine Stille, die peinlich ist. Ich liebe absolute Stille. Und ich sehne mich jeden Tag nach einem Moment, wo ich absolut nichts mehr hören brauche. Aber die Stille war peinlich. Kennst Du so Momente, wo man soviel zu sagen hat, aber dann merkt, dass nichts, aber auch gar nichts passend ist in diesem Moment? Spätestens dann ist es aus, Larissa, aber nicht vorher.