Murat und die goldenen Vögel im Abendrot
Dienstag, 3. Juli 2001Michi
"Falter" heißt das Gedicht, das Du extra für Tamara mit blauem Kuli auf Seite 79, eine Seite bevor Deine gedruckten Gedichte beginnen, gekritzelt hast. Natürlich mit Künstlerklaue, wie sich das gehört. Nun wird es nicht nur Tamara kennen:
Falter (von Murat Köngül)
Wenn nachts Falter gaukeln
durch kühlen Sternenwind,
und sie nur träge schaukeln,
als ob sie trunken sind,
wenn sie vom Monde trunken
zittern durch die Nacht
und das Gestirn versunken
in seinem Lichte lacht,
versinkt das güldne Licht
das in der Sommernacht
durch das Dunkel bricht
und das Falter trunken macht?
Alle Falter waren
von Sternenglanz umgeben,
so dass sie unterm klaren
Himmel höher schweben.
Mach Dir nichts draus Murat, dass ich das Buch für 50 Pfennig auf dem Wühltisch gefunden habe. Wenn Tamara so warme Worte nicht zu würdigen weiß, ist sie es selbst schuld. Wir wissen alle: Du wolltest Tamara mit Deinem süßen Geschmonze nicht in die Kiste kriegen. Dazu bist Du viel sehr Künstler, vergeistigt, mit Dir selbst beschäftigt und rund um die Uhr darum bemüht Dein Seelenleben in Reime zu fassen.
Du wolltest ja nur nett sein und Tamara beweisen, dass Du auch Gefühle zeigen kannst. Und dass Du in einer wundervoll bunten Traumwelt lebst, in der es noch Schmetterlinge gibt, die sich durch den kühlen Sternenwind tragen lassen. In einer Zeit, in der alles dunkel, böse und zum Kotzen ist, kommen Gefühle viel zu kurz. Feingeister wie Du einer bist würden verzweifeln und elendig zugrunde gehen, wenn sie nicht Papier und blaue Kulis zur Verfügung hätten. Das braucht Dir jetzt nicht peinlich sein, Murat.