Helpensteins historische Nachrichten II

Montag, 16. Juli 2001
Leon Helpenstein

Wie zwei Chronisten den Krieg gegen die Messer beäugten

De Bello Saxonico - "Vom Sachsenkriege" heißt das Machwerk des mittelalterlichen Chronisten Bruno de Merseburgensis. Dieser Bruno, aus Merseburg stammend, beschrieb den Feldzug des Salier-Kaisers Heinrich IV. gegen die Messer. Denn die alten Germanen nannten ihre Messer und Schwerter "Saxn" oder "Sachgen". Jedenfalls nannte man dann später auch die Sachsen, die ein (oho!) kriegslüsterndes Völkchen gewesen waren, die Messer, also eben die Sachsen, zu deutsch so viel wie die Messer´s Leute oder: die Jungs mit den Messern.

Bert Brecht schrieb später ein Lied zusammen mit Hans Eissler, es heißt: Mack the knive, der Sachse mit der Macke oder auch: Mackie Messer (Dreigroschenoper, 1928), nicht zu verwechseln mit Mecky Spaghetti, der Held einer biegsamen Yps-Heft-Schallplatte, dessen Leibgericht "lange, dünne Nudeln mit Tomatensoße" waren!

"An nem schönen blauen Morgen liegt ein toter Mensch am Strand
und um die Ecke geht ein Fremder, als Macky Messer wohlbekannt."
So oder ähnlich heißt es in der Brecht´schen Weise.

Na jedenfalls begehrten die Messersachsen gegen ihren Kaiser und der musste dann gegen sie kämpfen. Das war zwischen 1073 und 1080, ungefähr. Dieser Heinrich wurde auch durch den Bußgang nach Canossa im Januar 1077 bekannt, aber das gehört nicht hierher.

Nicht nur Bruno, der kleine drollige Mönch aus Merseburg beschrieb die Heldentaten seines angebeteten Kaiserburschen sondern auch noch Prinz Poppo von Mainfranken, ein Notar, der einen solch bescheuerten Namen besitzt, dass selbst der Pubertät längst schon entwachsene Historiker große Mühe damit haben, ihren Stuhldrang vor lauter Lachen nicht völlig hemmungslos in ihre Grob-Cord-Buntfaltenhose zu entlassen. Und wer glaubt, ich hätte diese Namen erfunden, der sei bitterst gerügt von mir und schäme sich ob einer solchen Dreistheit, mich der historischen Unwahrheit zu beschuldigen. Man kann alles nachlesen.

Poppo und Bruno ritten auf ihren Mauleseln immer hinter Heinrich her und schrieben alles auf, was sich ihren Äuglein bot. Die Messer wurden immer wieder geschlagen aber nie besiegt, bis Heinrich schließlich ihren Anführer Messer-Jockel (wer könnte sich nicht an Messer-Jockel und Blutswendte erinnern, die beiden hässlichen Sachsenanführer aus dem schwedischen Kinderbuch "Poppo Langstrumpf" von Astrid Lindgren?) gefangen nahm, ihm die rechte Hand abhieb und so das Messervölkchen zur Ruhe brachte.

Hätte der Salier nur gewusst, was er damals anrichtete! Heute sind die Sachsen weder aufmüpfig noch aggressiv. Sie lümmeln sich in millionenschwerer Heerschar vor dem Fernseher als Arbeitslose und Wiedervereinigungsbetrogene und kratzen sich durch ihre Fliegerseiden-Jogginghose am Sack, manchmal rufen sie "Da kommt er!" und sitzen dabei vor einer roten Plastik-Windmühle. Dann kommt Bruno auf einem Maulesel und bringt Rügenwälder Teewürste mit, welche dann von den arbeitslosen Sachsen mit frischem Brot und Radebeuler Pilsener verspeist werden. Eine wahre Schande ist das!