Helpensteins historische Nachrichten
Montag, 25. Juni 2001Leon Helpenstein
Lassen Sie mich - lieber Leser - zum anfänglichen Warmwerden einige bedeutende Nachrichten aus dem neuen Standort übermitteln: Bonn am Rhein, die ehemalige Bundehauptstadt, Bonna solum felix, wie der Lateiner sagt, Bonn - du glücklicher Boden.
Auf eben diesem Boden ereitelte sich kürzlich ein Jungsporn, schwächlicher Statur, auf einem Aluminium-Rad, das so schwerfällig läuft, wie das hölzerne Laufrad von Francois Derallonde von 1806, dem Erfinder des gleichnamigen Dellaronde-Rades von 1806. Zu dieser Zeit studierte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn auch Ernst Moritz Arndt, dem heute ein kleines aber auffälliges Zinnguss-Denkmal am "alten Zoll" in Rheinnähe gebührt. Auch Heine kam später dazu und Marx. Dieser Trierer (hallo Kaihai!!!) studierte Rechtswissenschaften und Ökonomie (das ist, wenn Katholiken und Protestanten gemeinsam nach der Prozession in "Zum Kothen" einen saufen gehen) und war in der Trierer Landsmannschaft aktiv. Dieser altehrwürdige Verein schämt sich heutzutage über ihr Gründungsmitglied von früher, weil dieser später dann eine unglaubliche Entdeckung machte: den Weltkommunismus. Heute erinnert an der Universität weder eine Plakette an die Studizeit von Karl Marx, noch an die Taten von Oskar Schindler oder Karl-Heinz Bogomiehl, dem einarmigen Schiffschaukelbremser von der Oberbilker Kirmes, der in den 1960ern von einem blonden Betriebsmeister eines bekannten Lintorfer Mittelstandsunternehmen gesehen worden war und seither bei diesem Mann einen überaus starken Eindruck hinterlassen hat, der manches Mal zu psychotischen Ausbrüchen führt.
Heine hingegen wird in Bonn dennoch Ehre gebührt, und das mittels eines markanten Basaltblockes, auf dem schlicht steht: "Heinrich Heine". Auf manchen anderen Gegenständen steht: "Thunfisch ohne Öl, in Stücken" oder "Teakholzstuhl, massiv, von Dr. Teak". Henry Heine schrieb Lieder über bekiffte Blondinen, die auf Basaltblöcken am Rhein sitzen, auf denen "Heinrich Heine" zu lesen ist, und sich das Haar kämmen und singen (für alle BWL- und Jura-Studenten: damit ist natürlich die Schlagzeugerin von Lenny Kravitz gemeint, die mich mit ihrem schnellen Rhythmus-Spiel beim vorletzten Loreley-Festival, auf der Loreley gelegen, ganz verzückte!). Dieses Lied wird heute noch als 'Lied von einem unbekannten Dichter' von so manchem betrunkenen, deutschnationalen und antisemitischen Burschenschaftler der Trierer Landsmannschaft gegrölt, am Grab von Immanuel Kant in Königsberg, nachts, heimlich, manchmal.
Auch Freiherr Friedrich vom und zum Stein, der mit seinem Kollegen, Staatsminister Hardenberg, die preußischen Reformen durchsetzte, kann alleine schon wegen seines Namens mit Heinrich-Heine-Granitquardern in Verbindung gebracht werden. Er hielt, ebenso wie der bekannte Althistoriker Berthold Gustav Droysen, zahlreiche Vorträge an der Bonner Uni, z.B.: "Das Laufrad - Segensbringer oder Teufelswerk?" oder "zum Verständnis der lyrischen Teakholz-Trilogie von Heinrich Heine".
Zurück zum Jungsporn: Als dieser also auf seinem Dellaronde-Rad, Baujahr 1806, aus Teakholz, aus der Manufaktur von Dr. Teak, an dem Ernst-Moritz-Arndt-Denkmal und einem Basaltblock, auf dem Lenny Kravitz saß und kiffte, vorbeifuhr, wurde ihm grausig die ganze Tragweite des 19. Jahrhunderts offenbar. Er gab seinem Rad die Sporen, setzte seinen Monokel auf, raffte Gamaschen, Anglaise, Schnupftaback und Taschenuhr zusammen und fuhr auf schnellstem Wege zur Uni, wo ihm der Kurs "Feministische Literaturtheorien" völlig die konservativ-reaktionäre Laune vermasselte, weil darauf herumgehackt wurde, dass es in Schillers 'Ode an die Freiheit' heißt: Alle Menschen werden Brüder! und nicht: alle Menschen/-innen werden lesbisch!
P.S.: Das ist mir jetzt irgendwie zu primitiv am Schluß. Ich möchte damit nicht so aufhören, ich möchte viel lieber an einer modernen Uni studieren, wo Denkmäler von Container-Alex und Stefan Raab rumstehen und ich entzückt ausrufen könnte: Hach, wie modern! Aber wo ist´s schon so stylish...?